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Küstermann


Klasse 10

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Material und Aufgaben zur missionierenden Religion, Teil 1 von 3

Der Schritt zu einer neuen Religionsart

Religionen können unterschieden werden nach der Art ihrer Weitergabe

Zu welcher Religion gehört ein Mensch?

Meistens zur Religion seiner Eltern. Die Religion wird von den Eltern an die Kinder weiter­gegeben im Verhalten, in den Ritualen, in den Gebeten, Erzählungen und Liedern. Kinder wachsen familiär in die Religion ihrer Eltern hinein. Bei dieser Art der Religions­zugehörigkeit gibt es also meist eine hohe Übereinstimmung von religiöser Gemeinsamkeit und gemeinsamer Abstammung. Die Abstammungsgemeinschaft ist zugleich die Religionsgemeinschaft. Es ist sozusagen eine „Stammes­religion“. Diese altmodische Bezeichnung wird hier in einem sehr offenen Sinn gebraucht, deshalb in Anführungszeichen.

Aufgaben zur „Stammes­religion“:

Erkunde Deine Anteile an "Stammesreligion". Zu welcher Religion und Konfession gehörst Du? Zu welcher Deine Eltern und Großeltern? Hatten manche Deiner Vorfahren vielleicht verschiedene Konfessionen oder gar verschiedene Religionen? Wie wurde das in Eurer Familiengeschichte verarbeitet? Befrage Deine Verwandten und mach Dir Notizen. Diese Notizen sind Deine Privatsache. Es steht in Deiner Freiheit ob und wem Du davon etwas mitteilen möchtest. Respektiere dabei auch die Wünsche Deiner Verwandten, was Du über sie erzählen darfst.

Eine zweite Art von Religions­zugehörigkeit

Eine zweite Art von Religions­zugehörigkeit kann entstehen durch Ortszugehörigkeit. Menschen nehmen teil an der Religion, weil es die an ihrem Lebensort „normale“ Religion ist. Zum Beispiel nach einem Umzug, kann es sein, dass die Zugezogenen sich an die ortsübliche Religion anpassen, obwohl es nicht die Religion ihrer Vorfahren ist. Wer integriert sein will am Wohnort, übernimmt die lokalen Gebräuche. Menschen lernen von ihrer Umgebung, nehmen Teil an der Kultur, auch an den Riten und besuchen die Kirche, den Tempel, die Moschee, die Synagoge oder welcher religiöse Ort sonst von allen Nachbarn besucht wird. Es erfordert eine gewisse Umstellungs­bereitschaft der Neuzugezogenen und es ist auch eine Frage, ob die „Eingeborenen“ solche Neuzugänge akkzeptieren. Vielleicht sind spezielle Aufnahme-Riten notwendig, damit die „Neuen“ religiös dazugehören dürfen. Nennen wir diese Art von Religions­zugehörigkeit „Ortsreligion“. Dieses Wort gibt es eigentlich nicht, deshalb in Anführungszeichen.

Aufgabe zur „Ortsreligion“:

Erkunde Deine Anteile an "Ortsreligion". In welcher Kirche wurdest Du getauft? Welche Kirche liegt deiner Wohnung am nächsten? Gibt es eine Kirche zu der Du Heimatgefühle hast? Bist Du irgendwann umgezogen? Was haben Deine Nachbarn für eine Religion? Mache Dir Notizen. Diese sind Deine Privatsache. Es steht in Deiner Freiheit ob und wem Du davon etwas mitteilen möchtest. Respektiere dabei auch die Wünsche Deiner Nachbarschaft, was Du über sie erzählen darfst.

Eine dritte Art von Religionszugehörigkeit

Mit den Worten Kirche und Moschee kommt bereits eine dritte Art von Religions­zugehörigkeit ins Spiel und wahrscheinlich trifft dies auch schon beim Wort Synagoge zu. Religionen die über Abstammungs­grenzen hinaus und über Ortsbindung hinaus Mitglieder aufnehmen und sich sogar bewusst als abstammungs­unabhängig und ortsunabhängig verstehen, diese Religionen werden als „missionierende“ Religionen bezeichnet. Die Benennung "missionierend" ist nicht ganz korrekt, weil sie einen vorwurfs­vollen Unterton enthält. Es wird unterstellt, dass „Mission“ eine bedrängende Art des Umgangs mit anderen Menschen darstelle. Das dahinter stehende Klischee kann manchmal zutreffen, aber längst nicht immer. Neutraler wird dieser Religionstyp beschrieben mit den Worten „abstammungs­unabhängig“ und „ortsunabhängig“ oder in positiven Begriffen: „multi-ethnisch“ und „universal“.

Religionen dieses Typs können zwar auch auf dem Wege der familiären Traditions­bildung weiter­gegeben werden, und ebenso auf dem Wege der lokalen Gemeinde, aber sie halten eben auch den dritten Weg offen: Menschen können individuell diesen Religionen beitreten, ohne Abstammungs­gemeinsam­keiten und ohne Bindung an einen Ort. Die Weitergabe dieser Religionen kann außerhalb der familiären, verwandtschaftlichen und nationalen Zusammen­hänge erfolgen. Die eigene Religion wird an „fremde“ Menschen weiter­gegeben. Angehörigen von anderen Völkern wird Gemeinschaft in einer Religion angeboten. Das bedeutet „missionieren“. Dass Menschen nicht automatisch zur Religion ihrer Eltern gehören müssen, sondern ihre Religion wechseln können, ist ein freiheitsbildendes Merkmal. Damit geben die Religionen des dritten Typs dem Individuum eine höhere Bedeutung und eine größere Freiheit, als die beiden anderen Religions­typen. Der einzelne Mensch kann über seine Religions­zugehörigkeit selber bestimmen. Nicht die Verwandtschaft und nicht der Ort bestimmen darüber. Aber der Wechsel von einer Stammesreligion zu einer abstammungsunabhängigen Religion ist ein schmerzhafter Vorgang für die „Stammesmitglieder“. Es ist eine Vereinzelung, ein Sich-Selbständig-Machen des Individuums gegenüber der Verwandtschaft, gegenüber der Nation, oder auf welcher Ebene auch sonst die Abstammungsgemeinschaft sich abgegrenzt, also ihre religiöse Identität bestimmt hatte.

Die negativen Erfahrungen mit Mission

Viele Menschen reagieren abweisend, wenn sie das Gefühl haben "missioniert zu werden". Diese Abweisung hat eine starke Berechtigung in manchen historischen Missionsvorgängen. Wir betrachten dazu ein Gemälde.

Columbus, Gemälde von Jose Garnelo y Alda
Bild: Columbus, Gemälde von José Garnelo y Alda

Betrachte das Bild unter vier Gesichtspunkten:

1. Das Gemälde zeigt die Phantasie des Künstlers von einer historischen Begegnung.
2. Und es zeigt wohl auch die Vorstellung, die zur Zeit des Künstlers üblich war.
3. Und es zeigt eine bis heute gängige Vorstellung von christlicher Mission.
4. Und es zeigt die Problematik der christlichen Mission in den Zeiten des Kolonialismus.

Aufgaben zur Mission

Deine Antworten auf die folgenden Fragen sind nicht privat, sondern für Lehrer und Klasse bestimmt.
Columbus, Gemälde von Jose Garnelo y Alda, Ausschnitt A
Welche Art von Religionszugehörigkeit haben wahrscheinlich die Menschen im rechten Drittel (Bildteil A)?
Columbus, Gemälde von Jose Garnelo y Alda, Ausschnitt B
Welche Art von Religionszugehörigkeit haben wahrscheinlich die Menschen im Mittelfeld des Bildes (Bildteil B)?
Columbus, Gemälde von Jose Garnelo y Alda, Ausschnitt C
Wie war vermutlich die Macht verteilt zwischen den beiden Menschengruppen? Achte auf die Gegenstände im linken Teil des Bildes (Bildteil C)!


Es sind drei verschiedene Fragen. Wenigsten eine Deiner drei Antworten sollst Du bekanntgeben. Du kannst dies entweder im Webuntis-Messenger (für die Reli-Klasse) mitteilen oder hier im Textfeld eintragen (öffentlich):


Auch wenn Du Deine Antwort über den Messenger schickst, solltest Du hier den "senden"-Knopf klicken. Er funktioniert auch bei leerem Textfeld und bringt Dich zur Seite mit den Antworten.