Titelschrift

Küstermann



Kirche

Evangelium nach Matthäus, Kapitel 21

Zum Palmsonntag 2021

Liebe Gemeinde
das Reich Gottes ist ganz nahe gekommen, so haben es die Jünger*innen Jesu geglaubt und sie haben es erstaunlich anders geglaubt als wir heute. Wir halten vieles für richtig, weil es uns in unserem Sosein bekräftigt. Wir glauben gerne das, was uns bestätigt, was in unsere Bequemlichkeit passt und keine Veränderung von uns verlangt. Die Jünger*innen haben Jesus geglaubt in ganz anderer Form, nämlich in der Veränderung, in der Umkrempelung ihrer Denk- und Lebensweise. Sie haben ihre Familien und ihr Eigentum verlassen, um Jesus nachzufolgen. Ihre ganze Existenz haben sie auf diese eine Karte gesetzt: Auf den Anbruch des Reiches Gottes und auf diesen Jesus, der es vollbringen sollte. Sie kannten die alten Verheißungen der Propheten, dass Gott seinen Messias, seinen Gesalbten schicken würde, um sein Volk Israel zu erlösen und das große Friedensreich aufzurichten. Als sie mit Jesus nach Jerusalem zogen, waren sie keine normalen Pilger. Das Passa-Fest war schon das Fest des Auszugs aus Ägypten, des Auszugs aus der Sklaverei. Die Erinnerung an diese Befreiung war der Kern des Glaubens an den einzigartigen Gott Israels: Der Gott der in die Freiheit führt. Nicht nur im Imperium Romanum, sondern in allen Großreichen des Altertums war die Sklaverei die Basis der gesamten Machtpyramide. Flucht aus der Sklaverei galt als Verbrechen. Entlaufene Sklaven wurden gejagt und hart bestraft. Mitten in dieser Welt der Sklavenhalterreiche feiern die Juden Passa, feiern ihren gelungenen Ausbruch aus der Sklaverei. Allen Herrschaften der antiken Großreiche war das Passa-Fest und damit die Juden ein Greuel. Die Idee von Sklavenbefreiung erschien ihnen als eine Seuche, ein Virus, eine Gefahr für die Gesellschaftsordnung. Zum Passa-Fest waren die römischen Statthalter nervös und hielten Legionen im Alarmzustand oder forderten Verstärkung der Besatzungstruppen. Wenn zigtausende von Pilgern nach Jerusalem kamen, war die Stimmung geladen mit dieser Befreiungsidee. Zu diesem Fest war die Gefahr eines Aufstandes am größten. Die Jünger zogen mit Jesus und sie glaubten, dass Jesus der Messias sei, mit dem das Reich Gottes anbrechen würde. Ihr Glaube fand Bestärkung in diesem triumphalen Einzug in die heilige Stadt. Offensichtlich waren die Jünger nicht einzigen, die die alten Verheißungen kannten und sich nach dem großen Erlöser und Friedenskönig sehnten. Die Passa-Pilger verstanden das Zeichen mit dem Eselsritt: Eine andere Art von König wird hier dargestellt, eine Kritik an allen Königen ist es, wenn Gott selber König ist. Hosianna dem Sohne Davids. Kämpferische Spannung lag in der Luft. Nur gab es immer wieder Misstöne, die nicht zum Fanfarenklang des bevorstehenden Reiches Gottes passen wollten. Schon auf dem Weg nach Jerusalem hatte Jesus immer wieder vom Leiden gesprochen, anstelle von Kampf und Sieg. Dass er den Menschen ausgeliefert sein werde und dass sie ihn töten würden. Das mochten die Jünger*innen nicht so gern hören. In welchem Verhältnis liebe Gemeinde, stehen bei Ihnen Leiden und Befreiung? Wie verhalten sich Niederlagen, Erniedrigungen, Verluste, Trauer und Schmerz zu Hoffnung, Glück und Freiheit? Wie verhalten sich Ihre Sklaven Erfahrungen zu den Sehnsüchten nach dem Reich Gottes? Die Götter der Sklavenhalterreligionen waren Götter für Siegertypen, die Göttinnen Bilder der Macht, des Reichtums und des Erfolges. Unser Gott ist überraschend anders. Nicht aus der Verdrängung des Leidens gewinnt er sein Reich. Nicht unter Verachtung der Niedrigen zieht er in seine Hauptstadt ein, sondern er solidarisiert sich mit den Erniedrigten, tröstet die Traurigen und erlöst die Gefangenen. Freue dich Jerusalem! Siehe Dein König kommt zu dir. Sanft und gerecht ist dieser König, arm und reitet auf einem Esel, auf dem Füllen einer Eselin.

Herzliche Grüße zum Palmsonntag

Ihr Harald Küstermann


Gruendonnerstag Lutherkirche

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