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Küstermann



Kirche

Evangelium nach Johannes, Kapitel 21, Verse 1 bis 14

Quasimodogeniti 2021,
Impuls zum Evangelium nach Johannes 21, 1-14

Liebe Gemeinde,

Erfolglosigkeit ist der Anfang einer wunderbaren Geschichte. "In dieser Nacht fingen sie nichts". Frustrierend für die Fischer war aber nicht nur diese eine Arbeitsnacht ohne Ergebnis, sondern eigentlich war es ihr ganzes Leben, das sie doch ganz auf Jesus von Nazareth ausgerichtet hatten. Dass er alles gut machen würde, hatten sie ihm zugetraut. Die ganz großen Hoffnungen hatte ihr Meister in ihren Herzen wach geküsst. Das Reich Gottes war ganz nahe herbei gekommen. Schon hatten sie darüber diskutiert, wer von ihnen welchen Posten bekommen würde in der Regierungsmannschaft des Christus Jesus. Einfache Fischer sind fähig, erstaunliche Phantasien zu mobilisieren von einer besseren Welt. Und diese Fähigkeit findet sich wohl nicht nur bei den Angehörigen dieses einen Berufes, sondern es scheint etwas allgemein Menschliches zu sein, der Traum von einer guten, gerechten, liebevollen Welt. Sehr menschlich ist es auch, sich selbst noch gleich in eine wichtige Rolle in dieser neuen Welt hinein zu träumen. Und dann hatten sie ihren Meister beerdigt. Und ihre Träume vom Anbruch des Reiches Gottes gleich mit. Den schändlichsten, brutalsten Tod war er gestorben. Alles war traurig und leer. "Nichts gefangen" war nur die kleinere Frustration obendrauf.

Der Gegenpol zu Trauer, Schmerz und Erfolglosigkeit liegt in der Zahl der Fische: Einhundertdreiundfünfzig. Warum schreibt der Evangelist diese Zahl der Fische? "Ein ganzes Netz voll" hätte er sagen können, um die Fülle auszudrücken, aber dann wäre es nur in Hülle und Fülle etwas zu Essen gewesen. Nur die kleine Frustration der Erfolglosigkeit wäre geheilt worden. Der Mensch lebt nicht nur vom Essen. Nicht nur die Suche nach Überlebensvorteilen treibt uns an. Da ist noch etwas Irrationales, etwas Jenseitiges, das uns zu Menschen macht. Zwischen den beiden Polen, zwischen dem "Nichtsgefangen" und der "153" liegt diese wunderbare Geschichte von der Begegnung mit dem Auferstandenen. Manchmal ist er nicht ganz einfach zu erkennen. "Es ist der Herr" müssen sich die ehemaligen (?) Jünger gegenseitig sagen. Die nächtliche Szene am Ufer des Sees ist voller Frieden und Liebe und Einfachheit. Ein kleines Feuer und eine Mahlzeit aus Brot und Fischen. Vertraute Nähe strahlt das aus. So kannten sie ihn. Aber auch eine surreale Atmosphäre liegt über dem Ganzen. Geheimnisvoll ist die Lebendigkeit und die Gegenwart des Auferstandenen.

Genießen Sie diese Atmosphäre, liebe Gemeinde, solange ich ihnen nebenbei ein paar mathematische Absonderlichkeiten der Zahl 153 erkläre. Falls Sie mit Mathematik nichts am Hut haben, ist das überhaupt nicht schlimm. Die Nähe des Auferstandenen zu spüren ist viel wichtiger. In der Mathematik ist die 153 eine Dreieckszahl. Wenn Sie für die Eins ein Steinchen legen, als obere Spitze eines Dreiecks, und darunter die folgenden Zahlen jeweils als eine Reihe von Steinchen, also zwei Steinchen für die Zwei, nächste Reihe drei Steinchen für die Drei, nächste Reihe vier Steinchen für die Vier und so weiter, dann ist nach jeder abgeschlossenen Reihe die Gesamtzahl der im Dreieck verbauten Steinchen die Dreieckszahl. Die ersten beiden Reihen bestehen aus drei Steinchen. Mit der nächsten Reihe sind es 6, mit der nächsten 10, dann 15, dann 21 dann 28 und so weiter. Die Abstände zwischen den Dreieckszahlen werden größer und sobald Sie bei der 17. Reihe angelangt sind und dort 17 Steinchen gelegt haben, liegen insgesamt 153 Steinchen im Dreieck.

Und in der Kabbalistik, in der jüdischen Zahlenmystik entspricht die Zahl 17 dem aus drei Buchstaben bestehenden Wort "tov" (טוב). Tov bedeutet ganz einfach "gut". 17 bedeuted für sich alleine einfach gut und die 153 zählt alles was vorher war mit. 153 ist dann also die Vereinigung von allem was vorher war mit dem Ziel "gut". Alle Zerwürfnisse, alle Trauer, alle Erfolglosigkeit, alles was die Stein-Reihen davor an Bedeutungen enthalten haben könnten, wird zusammengebunden mit der 17, mit dem "gut". Man könnte die 153 übersetzen mit dem Sprichwort: "Ende gut alles gut".

Aber es ist nicht zuende. Viele Fragen sind offen. Die Hoffnungen sind noch nicht erfüllt. Da fehlt noch was. Beim Propheten Hesekiel im 47. Kapitel wird die Vision vom großen Lebenstrom erzählt, der aus dem Tempel entspringt. Und in den Versen 9 und 10 dieser Vision werden die Fischer beschrieben, die vom Ort En-Gedi bis zum Ort En-Eglajim am Ufer stehen und alle Sorten von Fischen aus diesem Lebensstrom ziehen. Setzt man die Ortsnamen kabbalistisch um in Zahlen, dann ergibt "Gedi" die "17" und "Eglajim" die "153". Die Fülle des Guten liegt im wundervollen, mystischen Strom des Lebens oder in einem einfachen Lagerfeuer am See, schon jetzt.
Amen


Zebra von Seth Eisenberg, mit Flamme, am See

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