Vater: Oh! oh! oh! Jetzt hätten die uns aber beinah erwischt. Fast wäre die Falle zugeschnappt.
Geist: Und ich wär' um ein Haar im Stacheldraht hängen geblieben.
Vater: Wir Gärtner führen halt ein riskantes Leben.
Geist: Und diese Bluthunde haben echt ein feines Näschen.
Vater: Wer ihnen das wohl gegeben hat?
Sohn: Papa, bitte! Macht euch doch nicht lustig über diese Menschen.
Vater: Aber mein lieber Sohn, guck sie dir doch an, wie albern die sich benehmen. Wofür halten die uns denn?
Sohn: Seid ihr nicht ein bisschen unfair diesen armen, kleinen Forschern gegenüber?
Vater: Wie meinst du das, Sohn?
Sohn: Na, ich meine wir mit unserer Allwissenheit wissen doch schon immer im Voraus, wo die ihre Fallen aufstellen. Und mit unserer Allmacht können wir jeder Falle ausweichen. Die haben doch keinerlei Chance uns zu erwischen.
Vater: Willst du dich denn auf diese fiese Weise erwischen lassen?
Sohn: Ach Papa, wenigsten geben sie sich Mühe, mit uns Kontakt aufzunehmen.
Vater: Das nennst du Kontaktaufnahme?
Sohn: Die meinen das bestimmt nicht so böse.
Geist: Oh doch, die meinen das so böse! Stacheldraht und Bluthunde und Fallenstellerei, also wenn das nicht böse ist, dann weiss ich auch nicht.
Sohn: Aber mein lieber, Heiliger Geist, es ist doch nur eine Parabel, eine Metapher, ein geistiges Bild. Gerade du als Heiliger Geist müsstest das doch verstehen. Das ist doch alles nur im übertragenen Sinn gemeint.
Geist: Ja schon, aber diese Bilder verraten sehr wohl den bösen Geist, der dahinter steht. Ein Geist voller Aggression und Hochmut.
Vater: Mein lieber Sohn, stell dir mal vor, was die mit uns machen würden, wenn wir ihnen wirklich in die Falle gingen.
Geist: Wahrscheinlich würden sie uns in einem Forschungslabor gefangenhalten, wenn das „im übertragenen Sinne“ möglich wäre.
Vater: Und dann würden sie uns das Blut abzapfen – sofern das „metaphorisch“ irgendwie gehen würde – und würden es im Labor analysieren.
Geist: Und wenn sie uns nur ganz „parabelmäßig“ zu Tode gequält hätten, was natürlich auch nicht geht, dann würden sie unsere Leichen sezieren.
Vater: Und danach würden sie sich dem Wahne hingeben, sie hätten uns „erforscht“.
Geist: Was bilden die sich ein, wer sie seien?
Vater: Und was glauben die, wer wir sind?
Sohn: Ja, Papa, ich versteh' schon. Ich möchte mich trotzdem gerne von denen „erwischen“ lassen.
Vater: Von den beiden da?
Sohn: Nein, natürlich nicht von den beiden Stacheldraht-Typen, aber es gibt doch auch andere, die anders mit unserem Garten umgehen.
Geist: Und hoffentlich auch anders nach dem Gärtner suchen.
Text von Harald Küstermann. cc-by-sa 4.0 int. das heißt Weiterverwendung nur unter gleicher Lizenz und mit der Namensnennung: RoteSchnur.de
Die trinitarische Persiflage zur Gärtnerparabel in Druckversion