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Erstes Buch Könige, Kapitel 19, Verse 1 bis 13
Sonntag Okuli, 20. März 2022

Elia am Horeb, seine Dromomanie und die Suche nach Abstand

Erstes Buch Könige, Kapitel 19, Verse 1 bis 13

1 Und (König) Ahab sagte (seiner Frau) Isebel alles, was Elia getan hatte und wie er alle Propheten Baals mit dem Schwert umgebracht hatte. 2 Da sandte Isebel einen Boten zu Elia und ließ ihm sagen: Die Götter sollen mir dies und das tun, wenn ich nicht morgen um diese Zeit dir tue, wie du diesen getan hast! 3 Da fürchtete er sich, machte sich auf und lief um sein Leben und kam nach Beerscheba in Juda und ließ seinen Diener dort. 4 Er aber ging hin in die Wüste eine Tagereise weit und kam und setzte sich unter einen Ginster und wünschte sich zu sterben und sprach: Es ist genug, so nimm nun, HERR, meine Seele; ich bin nicht besser als meine Väter. 5 Und er legte sich hin und schlief unter dem Ginster. Und siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iss! 6 Und er sah sich um, und siehe, zu seinen Häupten lag ein geröstetes Brot und ein Krug mit Wasser. Und als er gegessen und getrunken hatte, legte er sich wieder schlafen. 7 Und der Engel des HERRN kam zum zweiten Mal wieder und rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir. 8 Und er stand auf und aß und trank und ging durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berg Gottes, dem Horeb. 9 Und er kam dort in eine Höhle und blieb dort über Nacht. Und siehe, das Wort des HERRN kam zu ihm: Was machst du hier, Elia? 10 Er sprach: Ich habe geeifert für den HERRN, den Gott Zebaoth; denn die Israeliten haben deinen Bund verlassen und deine Altäre zerbrochen und deine Propheten mit dem Schwert getötet und ich bin allein übrig geblieben, und sie trachten danach, dass sie mir mein Leben nehmen. 11 Der Herr sprach: Geh heraus und tritt hin auf den Berg vor den HERRN! Und siehe, der HERR ging vorüber. Und ein großer, starker Wind, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, kam vor dem HERRN her; der HERR aber war nicht im Winde. Nach dem Wind aber kam ein Erdbeben; aber der HERR war nicht im Erdbeben. 12 Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer; aber der HERR war nicht im Feuer. Und nach dem Feuer kam ein stilles, sanftes Sausen. 13 Als das Elia hörte, verhüllte er sein Antlitz mit seinem Mantel und ging hinaus und trat in den Eingang der Höhle.

Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

Farbglaskunst von Gisela Sternstein, rundes Detail DSCF5655-a3R

Liebe Gemeinde,
ein Marathonlauf durch 40 Tage und 40 Nächte, als Energieversorgung ein geröstetes Brot und und Krug Wasser, mit zweimal Schlafen unter dem Ginsterbusch, eine seltsame Beschreibung des Weges ist das, der zur Begegnung mit Gott führt.

Vierzig ist die Zahl der Buße und der Reinigung, wie das Volk vierzig Jahre durch die Wüste wanderte und wie auch Jesus vierzig Tage in der Wüste war, bevor er wirksam wurde. Der Ginsterbusch ist der Wohnort der Elenden, die keinen Platz in der menschlichen Gesellschaft haben, sondern wie Tiere in der Wildnis darben. Das wird bei Hiob beschrieben.

Ein Weg zur Gottesbegegnung als übermenschliche Anstrengung in kärglichster Ausstattung. Ist das der Weg zu Gott: Höchstleistung in Askese? Ich glaube es ist zuerst der Weg um Abstand zu gewinnen. Rückzug in die Einsamkeit ist ein wichtiger Weg zur Reinigung und Erneuerung. Abstand von der Gesellschaft, Abstand von den Menschen spielt in vielen Religionen immer wieder eine große Rolle. Als "Wurmloch" würden es Science­fiction­filme und Astrophysiker bezeichnen, als Durchgang durch eine andere Dimension. Warum wird das Laufen, auch in anderen Elia-Geschichten so sehr betont? Als Dromomanie, als Laufsucht bezeichnen manche Psychiater diesen Drang zu Rennen. Und sie meinen das wäre eine Krankheit des Geistes oder der Seele. Ganz ähnlich, nämlich "Troménie" heißt in der Bretagne die Pilgerwanderschaft zu Ehren des Heiligen Ronan. Dieser heilige Einsiedler war nämlich auch ein Dromomane, der laut Legende einmal täglich viele Kilometer um seinen heiligen Einsiedlerberg herum gerannt sei.

Der Drang, Abstand zu gewinnen von der menschlichen Gesellschaft wird von vielen, die ihn nicht verstehen, als krankhaft eingestuft. Gesund seien diejenigen, die mitten in der Gesellschaft leben, die viele Kontakte pflegen und bestens vernetzt sind. Aus diesen Vernetzungen und Verbindungen meinen die Gesellschaftssüchtigen ihre Kraft zu ziehen. Und in der Gemeinschaft läge auch das Wesentliche der Religion, so wird das propagiert und praktiziert - gegen die Erfahrung vieler Propheten, vieler Einsiedler und vieler Pilgersleute. Mit dieser einseitigen Festlegung wird auch jeder kleine Drang nach Privatheit, nach ein bisschen Abstand, dem Misstrauen ausgesetzt. Jedes kleine Bedürfnis, in Ruhe gelassen zu werden, wird als Schwäche und Unfähigkeit eingeschätzt oder gar als Krankheit diffamiert. Und somit wird es - uns kleinen Gottessucherinnen und Gottessuchern - schwer gemacht, die richtige Balance zu finden zwischen Einsamkeit und Gemeinsamkeit, zwischen Kommunikation und Stille, zwischen Miteinander und Eigenständigkeit.

Die ganze Gesellschaft hat Schlagseite, alle rennen mit dem Handy vor der Nase durch die Straße. Wie oft gucken Sie in Ihre whatsapp, Ihre Email, liebe Mitchristen. "Kommunikation ist alles" sagt die krankmachende Ideologie in vielen Bereichen der Wissenschaft, der Psychotherapie und des Managements. Stattdessen müsste wohl eher gelernt werden, dass Kommunikation nur Sinn macht zwischen eigenständigen Lebewesen, die auch Zeit haben, mit sich selbst zu kommunizieren und mit Gott. Sonst sind sie nicht mehr eigenständig.

Wer die notwendige Abstandssuche zum allgemeinen Kommunikationsstrom nicht wahrhaben will, versteht den Menschen nicht und noch schlimmer: versteht Gott nicht. Wer nie unter dem Ginsterbusch schläft und isst und trinkt, wer nie davon rennt von aller Gesellschaft, der wird auf den starken Wind hereinfallen, auf die Wirbelmacher*innen, auf die Shit-Storms und auf die Hypes, auf Gerüchte und Propaganda. Aber Gott ist nicht in all diesem windigen Theater.

Wer sein Lebenshaus nur auf Kommunikation baut, den werden Erdbeben umschmeißen, denn Gott ist weder in den scheinbar sicheren Kommunikationsstrukturen, noch in den Erdbeben ihrer Umbrüche. Wer die coole Distanziertheit zu aller Welt nie geübt hat, der wird hereinfallen auf die Feuerchen. Kennen Sie diese lodernden Flammen in billigen Internetforen, mit denen die brandneuesten Threads gekennzeichnet werden? Benutzen Sie auch diese roten Ausrufezeichen mit denen Emails als priorisiert sich ins Auge brennen wollen? Aber Gott ist nicht in diesen Wichtigtuereien.

Wovor ist Elia davon gerannt? Da war einmal die Königin, die ihre verlorenen Claqueure, die Ba'als-Propheten rächen wollte. Elia hatte Angst vor der Rache der Mächtigen, denn er hatte ein paar hundert ihrer Claqueure umgebracht. Es war ein Religionskrieg, wieviel davon historisch, wieviel von den Erzählungen darüber irgendwie anders gemeint ist, wissen wir nicht. Aber Elia war die eine Partei, die andere Partei war Ba'al. Ba'al ist der Wettergott, der mit Blitzen und Donnergetöse und fetten Wolken daherkommt. Imposant sein ist diesem Wettergott das Wichtigste, fast so wie in der modernen Medienwelt.

Der Wettergott galt als extrem wichtig, weil von ihm die landwirtschaftliche Ernte abhing und damit die gesamte wirtschaftliche Entwicklung, Wohlstand und Reichtum. Dieser Wettergott war das Symbol für ungebremste Durchsetzungskraft. Die Macht eines heraufziehenden Gewitters kann niemand aufhalten. Deshalb wollten alle wichtigen und mächtigen Leute so sein wie der Ba'al. So war Ba'al auch der Kriegsgott, angebetet von allen Eroberer- und Herrscher-Typen. Reichtum, Macht, Erfolg, Herrschaft, und das Streben nach all diesem, dafür stand der Ba'al.

Die Gegenseite war Jahwe, der Gott Israels. Der stand für Gerechtigkeit und Wahrheit, für den Schutz der Armen und Schwachen, für Würde und Freiheit auch der weniger durchsetzungsfähigen. Das sind schwierigere Ziele, auch nicht so imposant und prestigeträchtig. Elia als der Prophet Jahwes hatte im Religionskrieg ein paar hundert Ba'als-Propheten erschlagen. Eigentlich hatte Elia gewonnen. Auch davor ist er vielleicht geflohen. Er musste davon rennen vor seinem Erfolg, damit nicht sein Sieg vereinnahmt werde vom Erfolgsglauben. Das ist jetzt die vereinfachte Interpretation des komplizierten, gespalten Verhältnisses zum Erfolg, wenn man nicht an Erfolgsgötter glaubt. Mit Triumphen lässt es sich dann nicht so hemmungslos weiterleben.

Wo ist der Ausweg aus unseren Ängsten? Wo der Ausweg aus Rachsucht? Wo der Ausweg auch aus unseren - mitunter bitteren - Erfolgen? Wohin mit dem Drang nach einer anderen Welt? Elia begegnet Gott in diesem sanften, stillen Sausen. Er erkennt seinen Gott, der so gar nicht imposant daherkommt. Da ist Elias Rettung. Da ist sein Zuhause. Damit kann er leben.

Amen
Gerne würde ich jetzt mit Ihnen singen: "Sei ein lebendger Fisch, schwimme doch gegen den Strom. Auf und wag es frisch, Freude und Sieg sind dein Lohn." Kennt das noch jemand? Es steht in keinem unserer Gesangbücher, deshalb singen wir stattdessen "Kreuz auf das ich schaue", EG 548,1-3.





Die Predigt steht zur Verfügung unter der Lizenz CC-BY-ND 3.0 DE, das bedeutet: Kostenlose Weiterverwendung aber in der unveränderten Fassung (no-derivates) und mit der Pflicht zur Namensnennung. Die Namensnennung muss lauten:
Harald Küstermann RoteSchnur.de



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