Predigten
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Evangelium nach Markus, Kapitel 8, Verse 31 bis 38
31 Und Jesus fing an, sie zu lehren: Der Menschensohn muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten
und den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen.
32 Und er redete das Wort frei und offen. Und Petrus nahm ihn beiseite und fing an, ihm zu wehren.
33 Er aber wandte sich um, sah seine Jünger an und bedrohte Petrus und sprach:
Geh hinter mich, du Satan! Denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist.
34 Und er rief zu sich das Volk samt seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Will mir jemand nachfolgen,
der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. 35 Denn wer sein Leben behalten will,
der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird's behalten.
36 Denn was hilft es dem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen und Schaden zu nehmen an seiner Seele?
37 Denn was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse? 38 Wer sich aber meiner und meiner Worte schämt
unter diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen,
wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln.
Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016
Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.
Liebe Gemeinde,
braucht die Menschheit das wirklich, den Krieg in der Ukraine?
"Eigentlich nicht", so würden wir gerne sagen. Warum kommt die
Menschheit dann nicht heraus aus den Kriegen? Oder wo wäre der
Ausweg?
Krieg ist eine Folge des Irrglaubens, es ginge um Macht. Immer mehr Macht zu erlangen war scheinbar ein großes Ziel der menschlichen Entwicklungsgeschichte, immer mehr Macht gegen die Naturgewalten, gegen die wilden Tiere, gegen die Krankheiten, gegen den Hunger. Wenn ich kleines Menschlein nur die Macht erlange, dann ist alles gut, so lautete der vielleicht unvermeidliche Irrglaube angesichts all der übermächtigen Gegner.
Und mit seinem erfolgreichen Kampf zur Erlangung von immer mehr Macht wurde nun das kleine Menschlein selbst zur schrecklichsten aller Naturgewalten, zum bestialischsten aller Tiere, zur Krankheit des gesamten Ökosystems, zum Hunger und Verderben erzeugenden Klimawandler und zum stolzen Atomwaffenbesitzer.
Die Macht tut nicht gut dem Menschlein, dem Homo sapiens. Der Glaube, es ginge um die Macht, führt uns in die Irre. Ganz, ganz langsam lernt das Menschlein, dass es wohl eher darum geht, auf Macht zu verzichten, Macht abzubauen, Macht zu zerteilen in möglichst kleine Häppchen und jede Ansammlung von größeren Mengen Macht in den Händen eines Menschleins oder einer Gruppe oder einer Nation zu verhindern. Das Zerteilen von Macht ist die Hauptstrategie jeder Entwicklung zu Demokratie. Der kleine Augustinermönch Martin Luther gegen den Papst, der kleine Wanderprediger Jesus aus Galiläa gegen die römischen Cäsaren, der kleine Wüstenrückkehrer Mose gegen den Pharao: Auch die großen Entwicklungsschübe unserer Religion hängen zusammen mit einem Unterlaufen, Aushöhlen, Zerbrechen von Macht.
Vorsicht ist auch angebracht, wenn es darum geht, Macht zu kontrollieren durch übergeordnete Macht, denn wer kontrolliert dann die Kontrolleure? Eine Kultur der Vorsicht gegen Macht und Machtgier ist wichtig für eine menschenwürdige Zukunft. Wo Machtgier auftaucht bei einem Menschen darf die Frage nicht lauten: Ist der auf "meiner" Seite, gehört der oder die Machtgierige zu "uns" - egal wie das "Uns" definiert ist -, sondern es müssen Vorsicht und Misstrauen gegen die Macht aktiviert werden. Putin ist nur ein Beispiel dafür, was Macht und Machtgier aus einem Menschen macht. Im Moment ist Putin gut zur Enttarnung dieser verderblichen Wirkung, aber es gibt noch viel getarnte Macht und die ist längerfristig genauso verderblich, genauso gefährlich, nur halt nicht so akut und so sichtbar, sondern chronisch und schlauer versteckt. Was ist zum Beispiel mit den Machtblöcken NATO oder Google? Macht ist gefährlich, denn Menschen sind verführbar. Es geht darum, die Anhäufungen zu erkennen und zu benennen. Es geht darum, dass wir Menschen einander helfen, von den Wegen des Irrglaubens abzukommen.
Die Ehre Europas sind die Ukrainer*innen. Sie haben in ihrem Land Demokratie entwickelt, unter vielen Schmerzen. Die Ukraine ist relativ machtlos gegen den russischen Militärapparat, dennoch wagen sie den Widerstand. Da ist die Sympathie!
Die Ehre Russlands sind die Friedensdemonstrationen. Da gibt es Menschen, die die Propaganda durchschauen und ihr widersprechen. Diese Menschen brauchen noch mehr unsere Symphatie und Unterstützung. Wer weiß ihre Namen und gibt sie weiter in allen Medien? Sie sind machtlos gegen das Regime und wagen es dennoch, die Mächtigen zu kritisieren. Da ist das Gute, da sind Mose, Jesus, Luther. Da ist das Reich Gottes.
Hoppla! "Reich Gottes"? Ein religiöser Begriff inmitten von soviel Politik? Das Reich Gottes ist ein zentrales Thema in der Verkündigung Jesu Christi. Die Gleichnisse Jesu sind erzählerische Erkundungsfahrten in die Gebiete jenseits der Macht und jenseits der Machtgier. Nicht nur seine Gleichnisse, sondern das ganze Leben und Sterben Jesu stellt sich gegen den Irrglauben, es ginge um Macht.
"Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker niederhalten und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. So soll es unter euch nicht sein." Das war die Anweisung Jesu an seine Jünger*innen und mit dieser Anweisung macht er uns zum Modell des Reiches Gottes. Warum hat diese Anweisung so große Schwierigkeiten in der Umsetzung? Warum tut sich der Homo sapiens so schwer, seinen Irrglauben, es ginge um Macht, loszulassen? Natürlich weil die Macht einerseits so mächtig daherkommt, der Mächtigere, Brutalere, Skrupellosere setzt sich durch und verbreitet damit den Irrglauben. Andererseits aber weil wir bei dem Versuch, uns gegen die Macht zu stellen immer gleich eine Gegenmacht suchen. Gegen die Panzerarmee brauchen wir mehr "eigene" Panzer, so geht die Illusion, dass das die Lösung wäre. Dem Unheil, das von einer Macht ausgeht, wird eine möglichst mächtigere Macht entgegengesetzt. Das kann kurzfristig nötig sein. Aber es ist nicht die Lösung, sondern nur ein Aufschub, eine Hypothek auf die Zukunft. Und zur Lösung kann der Aufschub nur beitragen in dem Maße, wie er weniger Machtmittel und weniger brutale Machtmittel einsetzt, also in dem er die Botschaft enthält: Wir glauben nicht an die Macht. Die irrgläubige Aufstellung von purer Gegenmacht wäre sonst nur der Einstieg in das alte Machtspiel, immer noch mächtiger zu werden. Wettrüsten hieß dieses Spiel. Wie kann die tödliche Logik unterbrochen werden?
Bei dem einen Machtgläubigen in Moskau können wir nur hoffen und beten, dass er noch irgendeinen Glauben gegen die bloße Macht hat, sonst droht der Atomkrieg. Aber was wäre weitergehend, also jenseits des Ukraine-Krieges der Ausstieg aus dem Irrglauben? Die nächste Krise kommt bestimmt, solange Menschen vom Irrglauben gelenkt werden. Die zivilisatorische Kraft, die Kraft der Zukunft, die Reich-Gottes-Kraft liegt bei jenen Menschen, die den Irrglauben durchschaut haben und versuchen, dagegen anzugehen, nicht bei jenen, die einer kurzfristigen Gegenmacht zufallen und dabei im Irrglauben verharren.
Die härteste Kante der Macht ist der Tod. Mit der Drohung zu töten werden die Menschen der Macht unterworfen. Mit der Angst vor Leiden werden die Menschen gelenkt und lassen sich lenken, unterwerfen sich der Macht. Was macht Jesus hier, indem er sein eigenes Leiden und seinen Tod ankündigt? Er bereitet seine Jünger*innen darauf vor, wie machtlos gekämpft wird. Nicht sich einschüchtern lassen von Leiden und Tod! Nicht sich denen unterwerfen, die Macht haben, Leiden zu bereiten und zu töten. Und wer ihn davon abbringen will, von dieser machtlosen Strategie gegen die Macht, den beschimpft Jesus als Satan. Vielleicht weil ihm selber die Versuchung so nahe ist, reagiert er so heftig.
"Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach." Da ist das Reich Gottes an seiner schärfsten und unangenehmsten Front. "Denn wer sein Leben behalten will" - nämlich durch Unterwerfung unter die Macht, durch Anpassung, durch Taktik, durch Gegenmacht oder durch sonst eine Mitwirkung am Irrglauben - "der wird's verlieren."
"Wer aber sein Leben verliert" - zum Beispiel durch machtlose Friedensdemonstrationen, durch Verweigerung gegen die Mächte dieser Welt, durch Beharren auf Gerechtigkeit gegen alle Macht - wer so sein Leben in ein neues Spiel bringt "um Jesu Christi willen und um des Evangeliums willen", der steht auf der Seite des Reiches Gottes. Und da ist der Gott bei uns, der Gott, dem allein Macht und Ehre gebührt. Amen
Herzliche Grüße
Harald Küstermann
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Harald Küstermann RoteSchnur.de
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