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Das unaussprechliche Seufzen

Predigt zum Brief des Paulus an die Römer, Kapitel 8, Verse 26 bis 30
am Sonntag Exaudi 2022

Liebe Gemeinde,

zwischen Seufzen und Verherrlichung sind wir platziert.

Als "Heilige" spricht Paulus seine Mitchristen an, aber diese Heiligen können anscheinend nicht einmal beten. Wir wissen nicht, wie oder was wir beten sollen, wie es sein müsste, unser Gebet. Ist Beten den nicht das Einfachste, die simpelste aller religiösen Verhaltensweisen? Was sind wir bloß für komische Heilige, wenn wir nicht einmal das Beten hinkriegen? Als Ersatz für das Beten, zu dem wir in unserer seltsamen Heiligkeit unfähig sind, erscheint ein "unaussprechliches Seufzen". Und nicht einmal das bringen wir selbst zustande, sondern das macht stellvertretend für uns der Heilige Geist. Empfinden Sie diese Schwachheit, liebe Mitchristen? Können Sie diese völlige Entmachtung mit erleben? Haben Sie die Unfähigkeit zum Beten an sich selbst schon erlebt? Wenn die Seele voll ist, aber sich keine Worte finden, in die sie überlaufen könnte. Wie verzagt, wie bekümmert klingt diese Theologie des Gebets.

Ein unaussprechliches Seufzen sei das, was von uns vor Gott gebracht werden kann und nicht einmal dieses unaussprechliche Seufzen stammt von uns, sondern sogar das noch macht Gott für uns. Bitte hören Sie sich selbst seufzen, liebe Gemeinde. Bitte achten Sie auf das Ihnen von Paulus untergeschobene Seufzen. Und halten Sie dieses kleine Geräusch des Verzagtseins gut fest, als Ihren Schutzschild gegen all die Kommunikations-Anforderungen in unserer ach so perfekt kommunizierenden Welt.

Im unaussprechlichen Seufzen ist Gott. Wo alle Kommunikation versagt, wo wir nichts hinkriegen, keine Worte formulieren, keine Taten vollbringen, keine Projekte whoopen, keine Unternehmungen in die Wege leiten, da, genau da! arbeitet Gott mitten in seinen Heiligen.

Dieses unaussprechliche Seufzen ist das dringend notwendige Gegengewicht gegen alle schlauen Kommunikationstheorien und gegen auch die genialste Mediengenealogie. Alle Arten von Kommunikation und alle Anstrengungen zu ihrer Perfektionierung sind keinen Pfifferling wert, gemessen an diesem Seufzen.

Liebe Mitchristen, Ihr lieben, geschätzten Heiligen in Gott, schüttelt bitte von Euch ab, was Ihr außerhalb des Seufzens über Kommunikation gelernt habt. Eure Geschicklichkeit auf dem Smartphone: Bitte abschütteln! Alle Whatsapp-Nachrichten: Lass fahren dahin! Eure Email-Postfächer, Clouds und VPN-Verbindungen mitsamt allen anderen Kunstwerken des Computerzeitalters, schaut bitte darauf, als wären es Relikte einer längst untergegangenen Kultur. Ihr kennt den Spruch: Zuhause ist da, wo das WLAN automatisch verbindet. Löst Euch bitte von diesem Heimatgefühl! Vergesst Eure Fritzbox und Eure Lieblings-Apps. Vergesst auch die guten alten Telefone, die mit der drehbaren Wählscheibe, vergesst alle emotionalen Restbestände kuscheliger Retro-Technologien. Das hier geht nicht gegen die digitale Technik, sondern gegen alle fest geformten Kommunikationen.

Für welche Fremdsprachen habt Ihr Euch abgemüht, weil Ihr meintet, Ihr müsstet Euch verständigen in der internationalen Welt? Und wie war das mit dem Alphabet? Wann und wie habt Ihr das Schreiben erlernt, diese jetzt seit Jahrtausenden vorherrschende Kommunikationstechnik? Alle Bücher und Zeitschriften: Bitte abschütteln! Und wie war das mit dem Sprechen selber? Was waren Eure ersten Worte? Oder wie war das, als Eure Kinder sprechen lernten, beziehungsweise nicht lernten und Logopädie brauchten? Kennt Ihr auch Erwachsene, die zur Logopädie mussten, nach einem Schlaganfall?

Nehmt einfach alles zusammen, was Ihr unter Kommunikation versteht. Legt das alles auf die eine Seite, packt es in die eine Waagschale und das unaussprechliche Seufzen gehört in die andere Waagschale: Das hat mehr Gewicht! Das Seufzen! Dieses minimalistische Kommunikatiönchen mit Gott, in Gott, hervorgebracht durch den Heiligen Geist, das hat mehr Gewicht, als der ganze Rest unserer kommunikativen Welt.

Denn da ist das Selbst, da ist die Seele vor Gott. Das da sind wir, wir Menschen vor Gott, wir Heilige in Gott. Dieses Seufzen - nicht von uns zustande begracht - aber für uns in Vibration gesetzt vom Heiligen Geist: Das sind wir! Ein Hauch, ein Nichts, eingehaucht in einen Klumpen Erde, das ist der Mensch, verbunden mit Gott durch den geschenkten Atem des Lebens. Das Geschenk des Lebens ist ein Seufzen Gottes und jedes Ausatmen von uns ist so ein Seufzer zu Gott hin. Und alle Gefühle fließen mit im Seufzen zu Gott. Die ganze Schöpfung, alle geplagte Kreatur, seufzt mit uns in diese Richtung und in der gespannten Erwartung, dass wir endlich offenbar werden als Kinder Gottes.

Zwischen Seufzen und Herrlichkeit sind wir platziert. Vom Seufzen habt Ihr jetzt eine Ahnung bekommen, theoretisch. Die dahinter stehende praktische Ahnung habt Ihr schon viel länger. In allem Leiden, das Ihr erlebt habt, in jeder Situation von Machtlosigkeit, in allen Erfahrungen, die Richtung Tod und Vergänglichkeit gingen, war das Seufzen eine leise oder gar stille Begleitung. Eure praktische Erfahrung im unaussprechlichen Seufzen umfasst eine große Sammlung, lass Dir von Deiner Seele davon erzählen. Und jedes andere Lebenwesen hat ein ähnliche Sammlung von Seufzern, oft ganz unbewussten.

Und wie ist das mit der Verherrlichung? Ihr seid von Gott ausersehen als seine Heiligen. Ihr seid nach Gottes Ratschluss dazu berufen, dass Ihr seinem Sohn gleich werden sollt. Ihr seid von Gott gerecht gemacht und Ihr seid von Gott verherrlicht. Was für eine Aufzählung, was für ein Feuerwerk von Verherrlichungsschritten. Ausersehen, berufen, gerechtfertigt, verherrlicht, was Paulus da aufeinandertürmt, hört sich an wie die Stufen einer prachtvollen Freitreppe zum Himmel. Manchmal wurde das auch so gedeutet, als Entwicklungsstufen der Heiligen auf dem mystischen Wege der Einweihung zu immer höheren himmlischen Ehren. Und welche Stufe haben Sie erreicht? Mit welchem nächsten Entwicklungsschritt Ihrer Heiligkeit haben Sie zu kämpfen, lieber Herr Mitchrist, liebe Frau Mitchristin?

Von mir aus könnte man das so stufenförmig denken, wenn manche das brauchen als Motivation. Die eigene Lebens- und Glaubens-Geschichte als einen Aufstieg zu immer höheren Reifungsstufen zu verstehen, das gefällt bestimmt einem ehrgeizigen Lebensgefühl, aber ich halte es für wichtig, diesen Weg nicht als Wegführung vom ursprünglichen Seufzer misszudeuten. Der ursprüngliche Seufzer ist nicht eine Null-Stufe, von der aus wir uns zu erheben hätten. Es geht nicht darum, von diesem Basispunkt Abstand zu nehmen, um sich zu immer lichteren Höhen aufzuschwingen. Es geht nie darum, das unaussprechliche Seufzen hinter uns zu lassen, sondern die Verherrlichung und alles drumherum ist nur die andere Seite des Seufzens. Das Sich-aus-Seufzen zu Gott hin bleibt in der Mitte. Es bleibt immer in Berührung mit allem anderen, was sich daraus entfaltet.

Nehmen Sie alle geistigen Welten, alle Philosophien und Künste, alle Literaturen und alle Computerspiele, nehmen Sie alle Verständigungen zwischen Menschen, alle Sprachen, alle Gespräche, alle Aha-Effekte, nehmen Sie alle gelingende Kommunikation, alle Schönheit der Stimmen und alles verständnisvolle Schweigen, nehmen Sie diesen ganzen voller Geist summenden und brummenden Kosmos: Seine Herrlichkeit liegt ganz in seinem Verhältnis zu Gott, also genau in dem unaussprechlichen Seufzer, der mitschwingt in aller Kreatur. Diese ganze Schöpfung ist auf dem Wege zu Gott hin, befindet sich in Vorbereitung, ihn zu hören und von ihm erhört zu werden. Und im Seufzen ist das am Nächsten, ist es am Gegenwärtigsten. Möge Gottes Herrlichkeit in Eurem Seufzen erscheinen. Amen


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